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Litoměƙice
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Litoměƙice (deutsch: Leitmeritz) ist eine Stadt im Okres Litoměƙice in Tschechien und Sitz des Bistums Leitmeritz. Von 1852 bis 2002 hatte sie den Status Bezirksstadt des Okres Litoměƙice. Das historische Stadtzentrum wurde 1978 zum stĂ€dtischen Denkmalreservat erklĂ€rt.

Contents

‱ Geschichte
‱ Mittelalter
‱ Wirtschaft
‱ Verkehr
‱ Eisenbahn
‱ ÖPNV
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geographische Lage

Die Stadt liegt sĂŒdlich des Böhmischen Mittelgebirges auf 171 m n.m. am rechten Elbufer gegenĂŒber der MĂŒndung der Eger, etwa 58 Kilometer nordnordwestlich von Prag. Über die Elbe, die hier schiffbar ist, fĂŒhrt eine 550 m lange BrĂŒcke. Einige HĂŒgel liegen im Stadtgebiet. Auf dem höchstgelegenen Teil befinden sich der Dom mit dem Domplatz, das Bischofspalais, CollegiatsgebĂ€ude und Teile der Prager Karls-UniversitĂ€t.

Westlich der Stadt erhebt sich der aussichtsreiche RadobĂœl (399 m), nordöstlich der bewaldete Geltschberg (725 m), an dessen Fuße sich der Kurort LĂĄzně Jeleč (Bad Geltschberg) befindet.

Stadtgliederung

Litoměƙice besteht aus den Ortsteilen Litoměƙice-město (Leitmeritz-(Kern-)Stadt), Pokratice (Pokratitz), PƙedměstĂ­ (Leitmeritz-Vorstadt) und Za nemocnicĂ­ (Spitalsviertel)cite-ref-3[3] Grundsiedlungseinheiten sind BiskupstvĂ­, DolnĂ­ nĂĄdraĆŸĂ­, HistorickĂ© jĂĄdro-zĂĄpad, Kocanda, Litoměƙice-historickĂ© jĂĄdro, Mostka, Na cihelně, Na Ć ancĂ­ch, Nad hornĂ­m nĂĄdraĆŸĂ­m, Nad Pokraticemi, Nemocnice, Ohƙí ostrov, Palachova, Pod Mostkou, Pod RadobĂœlem, Pokratice, Pokratice-sĂ­dliĆĄtě, PƙedměstĂ­, RadobĂœl (Radebeul), SĂ­dliĆĄtě Cihelna, SĂ­dliĆĄtě DruĆŸba, SĂ­dliĆĄtě Svornost-vĂœchod, SĂ­dliĆĄtě Svornost-zĂĄpad, StƙeleckĂœ ostrov, U Richarda, U vĂœstaviĆĄtě, Za stadiĂłnem, Za tratĂ­ und Ćœeletice (Eisendörfel).cite-ref-4[4]

Das Stadtgebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Litoměƙice und Pokratice.cite-ref-5[5]

Geschichte

Mittelalter

Die verkehrsgĂŒnstige Lage an einer FĂ€hrstelle ĂŒber die Elbe und das verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig milde Klima ermöglichten eine zeitige Besiedlung der Gegend, wovon etliche Bodenfunde zeugen. Im frĂŒhen Mittelalter war Leitmeritz Zentrum der slawischen Lutomericii, von denen sich auch der Name der Stadt ableitet. Bereits im 10. Jahrhundert wurde der Ort in den Herrschaftsbereich der Pƙemysliden integriert und zu einem befestigten Verwaltungsmittelpunkt im Norden Böhmens ausgebaut. Um 1057 errichtete Herzog Spytihněv II. die steinerne St.-Stephans-Kirche auf dem Burgberg und grĂŒndete ein ihr zugehöriges Kollegiatstift, das er mit zahlreichen Besitzungen, EinkĂŒnften (vor allem aus dem Elb-Zoll) und Rechten bedachte.

Um 1225 wurde die Stadt formell gegrĂŒndet und planmĂ€ĂŸig um einen Marktplatz auf einem HĂŒgel gegenĂŒber dem Burgberg angelegt. Die ersten BĂŒrger – dem Namen nach wahrscheinlich Deutsche – erhielten Autonomie und Freiheiten nach Magdeburger Recht, fĂŒr das Leitmeritz zeitweise die Funktion eines Vororts in Böhmen innehatte. Anschließend begann die Erschließung der Umgebung, indem Siedler aus dem Rheinland und von der Unterelbe angeworben wurden.

Die Stadt entwickelte sich vor allem aufgrund des florierenden Getreidehandels und der gĂŒnstigen klimatischen Bedingungen, die ertragreichen Obst- und Weinbau ermöglichten, außerordentlich rasch: Neben den Stadtkirchen Allerheiligen (1235 erwĂ€hnt) und St. Laurentius (1297) entstanden klösterliche Niederlassungen der Minoriten (1233 St.-Jakobs-Kirche), der Dominikaner (1236 St.-Michaels-Kirche) und der Kreuzherren (1257 Marienkirche). Letztere unterhielten im 14. Jahrhundert auch ein Spital in Leitmeritz. Nachdem um die Mitte des 13. Jahrhunderts die Bebauung auch den Burgberg erfasste, warf ein verheerender Brand 1296 die Stadt in ihrer Entwicklung zurĂŒck. Die böhmischen Könige unterstĂŒtzten in den folgenden Jahren den Wiederaufbau unter anderem durch Steuererleichterungen und die Verleihung von Stapel- und Meilenrechten.

Eine stĂ€dtische Schule wurde bereits 1298 erwĂ€hnt, eine Kapitelschule gab es Mitte des 14. Jahrhunderts. Ebenfalls Mitte des 14. Jahrhunderts wurde die Stadtbefestigung erweitert, wobei eine im 13. Jahrhundert erbaute königliche Burg als der Teil dieser Befestigung integriert wird. 1348 errichtete die BĂŒrgerschaft einen Stadtturm an der Allerheiligenkirche, 1397 wurde ein neues Rathaus erbaut. Wirtschaftliche Einbußen brachte in dieser Zeit der Verlust des Stapelrechts im Getreidehandel infolgedessen Freigabe auf der Elbe durch König Wenzel IV.

Hussitenzeit und Reformation

In den Hussitenkriegen sympathisierte Leitmeritz anfangs mit König Sigismund. Die Hinrichtung von 17 Hussiten fĂŒhrte 1420 zur Belagerung der Stadt durch Jan ĆœiĆŸka. Um weiteren Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, aber auch um VerĂ€nderungen innerhalb der stĂ€dtischen Bevölkerungsstruktur widerzuspiegeln – der tschechische Bevölkerungsanteil war stĂ€ndig gestiegen und konnte sich letztlich gegen das deutsche Patriziat durchsetzen –, kam die Stadt verwaltungsmĂ€ĂŸig zu den gemĂ€ĂŸigten utraquistischen Prager StĂ€dten. Der deutsch-tschechische Gegensatz zeigte sich ebenso in einem kurzzeitigen Verzicht auf den Rechtszug nach Magdeburg und in der Forderung, die Deutschen von allen öffentlichen Ämtern auszuschließen, was Sigismund schließlich 1436 genehmigte.

In der zweiten HĂ€lfte des 15. Jahrhunderts erholte sich Leitmeritz wirtschaftlich. Einnahmen brachte u. a. eine Maut, die fĂŒr die Benutzung einer neu errichteten, hölzernen ElbbrĂŒcke erhoben wurde. Die wichtigen Stapel- und Meilenrechte wurden von den Königen Georg von Podiebrad und Vladislav II. bestĂ€tigt. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Stadtbefestigung erneut verstĂ€rkt und umschloss jetzt 258 HĂ€user. Auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet konkurrierte die Stadt nun vor allem mit benachbarten Adligen.

Die große Mehrheit der BĂŒrgerschaft war in dieser Zeit utraquistisch eingestellt, wovon das Liederbuch der Literatenbruderschaft (1517) ein eindrucksvolles Frömmigkeitszeugnis gibt. Daneben gab es auch Katholiken und Juden. Das jĂŒdische Viertel wurde allerdings 1541 geplĂŒndert und 1546 wurde Leitmeritz königlich privilegiert, Juden den Aufenthalt in der Stadt zu verbieten. Am Platz der jĂŒdischen Schule errichteten die Stadtoberen ein stĂ€dtisches Spital.

Die ablehnende Haltung der Stadt gegenĂŒber der prokatholisch-habsburgischen Politik König Ferdinands I. gipfelte in der Weigerung, am Schmalkaldischen Krieg teilzunehmen. Nach der fĂŒr den König siegreichen Schlacht bei MĂŒhlberg bĂŒĂŸte Leitmeritz dafĂŒr mit hohen Geldstrafen, der Ablieferung von Waffen, dem Verlust von wichtigen Einnahmequellen und der EinschrĂ€nkung der stĂ€dtischen Autonomie. Seit 1548 war der Rechtszug an das protestantische, in Reichsacht stehende Magdeburg untersagt, zustĂ€ndig wurden königliche AppellationsrĂ€te auf der Prager Burg („Prager Recht“). Dennoch zeugen zahlreiche Bauten aus der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts (Schwarzer Adler [ca. 1560], Kelchhaus [1570–80]) sowie die GrĂŒndung einer Lateinschule und Verbindungen zum Zentrum der Reformation Wittenberg von Reichtum und Kultur der Stadt.

DreißigjĂ€hriger Krieg, Rekatholisierung und Josephinische AufklĂ€rung

Um die Wende zum 17. Jahrhundert war die Mehrheit der Leitmeritzer Bevölkerung lutherisch. Zusammen mit den Utraquisten und Böhmischen BrĂŒdern stand sie entschieden auf Seite der antihabsburgischen Opposition, was in die Teilnahme am StĂ€ndeaufstand 1618–1620 mĂŒndete. Die Niederlage der Protestanten in der Schlacht am Weißen Berg fĂŒhrte zum erneuten Verlust von zahlreichen Privilegien und stĂ€dtischem Besitz. Viele BĂŒrger wurden enteignet und, wenn sie den Übertritt zum Katholizismus ablehnten, aus der Stadt verwiesen.

Der DreißigjĂ€hrige Krieg brachte hĂ€ufig wechselnde Besatzungen – u. a. schwedische und sĂ€chsische –, die alle mit Verheerungen einhergingen. Stadt und Umgebung erlitten dramatische Bevölkerungsverluste: 1640 gab es nur noch 52 BĂŒrger in Leitmeritz, in den stĂ€dtischen Dörfern der Umgebung lediglich acht Einwohner.

Nach dem Krieg setzte eine straffe Gegenreformation ein, deren wichtigster TrĂ€ger, wie an vielen anderen Orten in Böhmen, die Jesuiten waren. 1655 wurde das Bistum Leitmeritz kanonisch errichtet, dessen ersten Bischof Maximilian Rudolf von Schleinitz – zuvor letzter Propst des Kollegiatstifts – bereits 1647 Kaiser Ferdinand III. nominiert hatte. 1649 wurde ein Kapuzinerkloster gestiftet, bei dem von 1654 bis 1657 die Kirche St. Ludmilla entstand. Zwischen 1672 und 1685 entstand die Dominikanerkirche St. Michael.

Die katholische Reorganisation ging generell mit einer regen BautĂ€tigkeit einher, fĂŒr die zahlreiche Bauleute vor allem aus Italien engagiert wurden. Ab 1670 baute Giovanni Domenico Orsi de Orsini den neuen Dom St. Stephan, dem die alte Stephanskirche weichen musste. Von 1689 bis 1701 plante und realisierte Giulio Broggio die bischöfliche Residenz. Er projektierte auch zwischen 1689 und 1731 die jesuitische Marienkirche am Platz der mittelalterlichen Kreuzherrenkirche, die sein Sohn Octavio Broggio vollendete. Das zugehörige Jesuitenkollegium wurde erst 1770 und damit nur drei Jahre vor Auflösung des Ordens fertiggestellt. Octavio Broggio zeichnete auch fĂŒr den Bau der Wenzelskirche von 1714 bis 1716 auf dem DomhĂŒgel und die Barockisierung der Stadtkirche 1716 verantwortlich.

Die Bevölkerung nahm seit 1650 vor allem durch Zuwanderung wieder zu, auch wenn eine Pestepidemie 1680 einen RĂŒckschlag brachte (PestsĂ€ule auf dem Marktplatz). Die ZahlenverhĂ€ltnisse zwischen deutschen und tschechischen Einwohnern in Leitmeritz verschoben sich um die Wende zum 18. Jahrhundert immer mehr zugunsten der Deutschen, was sich u. a. darin widerspiegelte, dass die Ratsprotokolle ab 1738 in deutscher Sprache verfasst wurden.

In den kriegerischen Konflikten zwischen Preußen und Österreich im 18. Jahrhundert (u. a. im Gefolge der Schlacht bei Lobositz) litt Leitmeritz mehrfach unter militĂ€rischer Besetzung und wurde in seiner wirtschaftlichen Entwicklung beeintrĂ€chtigt. Wichtigste Einnahmequelle der Stadt blieb weiterhin der Getreidehandel nach Norden auf der Elbe. Ab 1780 brachte der Bau der nahen Festung Theresienstadt AnstĂ¶ĂŸe fĂŒr das Leitmeritzer Handwerk.

Die aufklĂ€rerischen Reformen Josephs II. verursachten tiefgreifende Änderungen in der Stadt. Bereits 1773 wurde der Jesuitenorden verboten, 1785 das Minoritenkloster aufgelöst, dessen GebĂ€ude die Dominikaner bezogen. Deren GebĂ€ude wurden wiederum zwischen 1814 und 1816 als Bezirksamt umgebaut.

1777 musste Leitmeritz seinen Grundbesitz verĂ€ußern, ab 1778 fungierten ausgebildete Beamte in der Stadtverwaltung, deren Autonomie eingeschrĂ€nkt wurde. Die RĂŒckkehr von protestantischen GlaubensflĂŒchtlingen sowie die Einwanderung preußischer und sĂ€chsischer BĂŒrger förderte die Verwaltung gezielt. Das Verbot fĂŒr Juden, in den Mauern der Stadt zu ĂŒbernachten, wurde aufgehoben.

Auf kulturellem und pĂ€dagogischem Gebiet setzten die Bischöfe Emmanuel Ernst von Waldstein, der eine von fĂŒhrenden Gelehrten benutzte Bibliothek einrichtete, sowie Ferdinand Kindermann von Schulstein (1790–1801) als Oberdirektor der böhmischen Normalschulen wichtige Akzente, die sich weit ĂŒber Leitmeritz hinaus auswirkten.

19. Jahrhundert: deutsch-tschechischer Gegensatz

Nachdem die Koalitionskriege die wirtschaftliche Entwicklung von Leitmeritz Anfang des 19. Jahrhunderts erneut beeintrĂ€chtigten, brachte die sogenannte Elbschifffahrtsakte von 1821, die eine freie Schifffahrt auf dem Fluss gewĂ€hrleistete, der daraus resultierende regelmĂ€ĂŸige Dampfverkehr nach Sachsen sowie die durch Abriss der Stadtbefestigung deutlich verbesserte Verkehrssituation einen lang anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung: Zwischen 1787 und 1854 verdoppelte sich die Einwohnerzahl der Stadt.

Am Leitmeritzer Gymnasium wirkte 1800–1815 Josef Jungmann, der hier erstmals an böhmischen Schulen die tschechische Sprache unterrichtete. Zu dessen SchĂŒlern gehörte spĂ€ter an der Prager Karls-UniversitĂ€t auch der junge Karel Hynek MĂĄcha, der 1836 in Leitmeritz starb. Das 1822 gebaute Theater ist nach ihm benannt.

Die revolutionĂ€ren Ereignisse von 1848/49 schĂŒrten einerseits die großdeutsche Stimmung der deutsch-böhmischen Einwohnerschaft, was sich in der GrĂŒndung zahlreicher deutscher Vereine und Zeitungen widerspiegelte; Leitmeritz stellte einen Abgeordneten in der Frankfurter Paulskirche. Andererseits gewannen auch die tschechisch-national gesinnten Bewohner Einfluss auf das kulturelle Leben der Stadt: 1860 traf man sich an MĂĄchas Grab, 1848 und 1868 richtete man nationale Feiern auf dem Ƙíp aus, denen 1862 ein deutsches Turnfest zu Ehren von Joseph Emanuel Hilscher gegenĂŒberstand. Diese Ausdrucksformen eines zunehmenden Gegeneinanderwirkens von Deutschen und Tschechen wiederholten sich 1898 anlĂ€sslich des JubilĂ€ums der genannten Ereignisse. An Bildungsanstalten standen in Leitmeritz eine theologische Lehranstalt, ein Obergymnasium, eine Oberrealschule und Bildungsanstalten fĂŒr Lehrer und Lehrerinnen zur VerfĂŒgung.cite-ref-meyers-6-0[6] Im 19. Jahrhundert wurden am Gymnasium und an der Oberrealschule jĂ€hrlich je etwa 500 deutsche und tschechische SchĂŒler aus Leitmeritz und Umgebung unterrichtet.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Die deutsche Seite wandte sich 1880 sowohl gegen die Eröffnung einer tschechischen Schule als auch 1912 gegen deren öffentliche Anerkennung.

Von der stĂŒrmischen industriellen Entwicklung Böhmens blieb Leitmeritz weitgehend unberĂŒhrt und verharrte als Standort von Handwerk, Verwaltung, Schulen und Garnisonen (Stab des k.u.k. IX. Armeekorps sowie Stab, I. und II. Bataillon des k.u.k. Landwehr Infanterie Regiments Nr. 9). 1858/59 wurde eine hochwassersichere eiserne BrĂŒcke ĂŒber die Elbe errichtet, 1874 erhielt die Stadt durch die Österreichische Nordwestbahn (ÖNWB) Anschluss an das entstehende Eisenbahnnetz.

Zu Zeiten der Habsburgermonarchie galt die Stadt als beliebtes Pensionisten-Paradies, da das Klima der Gegend das mildeste Böhmens ist. Dieses ermöglicht auch den Weinbau an den ElbhÀngen sowie die ertragreiche Landwirtschaft (u. a. Obstbau) der Umgebung. Um 1900 gab es in Leitmeritz neben anderen Lehranstalten eine Ackerbau-, Obst- und Weinbauschule sowie diverse mittelstÀndische Produktionsbetriebe.cite-ref-meyers-6-1[6]

20. Jahrhundert

Die mehrheitlich deutschböhmische Bevölkerung der Stadt antwortete auf die Proklamation der Tschechoslowakischen Republik mit einer SelbststĂ€ndigkeitserklĂ€rung der Deutschen in Böhmen, die in Leitmeritz eine Nationalversammlung bildeten. Am 11. Dezember 1918 beendete das rasche militĂ€rische Vorgehen der tschechoslowakischen Armee alle deutschen Ambitionen. Bei den Kommunalwahlen von 1919 errangen die deutschen bĂŒrgerlichen Parteien, die auch in der Folge den BĂŒrgermeister stellten, die Mehrheit.

Das deutsch-tschechische VerhĂ€ltnis blieb weiterhin angespannt und emotionalisierte sich ab 1930 zusehends, die tschechoslowakischen Behörden antworteten mit Entlassungen und Verboten. Auf deutschböhmischer Seite gewann die Sudetendeutsche Partei unter Konrad Henlein großen Einfluss, im Juni 1938 gewann sie bei der Kommunalwahl 24 von 36 Mandaten.

Nach dem MĂŒnchner Abkommen wurde Leitmeritz 1938 vom NS-Staat annektiert. Mehr als 5.000 Tschechen und tschechoslowakische Einrichtungen verließen die Stadt. Leitmeritz war von 1939 bis 1945 Sitz des Landkreises Leitmeritz, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland und Sitz des Oberlandesgerichtes Leitmeritz.

Zwischen MĂ€rz 1944 und Mai 1945 gab es in der NĂ€he der Stadt das KZ-Außenlager Leitmeritz des Konzentrationslagers FlossenbĂŒrg. Es entstand eine unterirdische RĂŒstungsproduktion (U-Verlagerung Richard) im etwa 2,5 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums gelegenen Stollensystem eines aufgelassenen Kalkstein­bergwerks. Etwa 4.500 der rund 18.000 KZ-HĂ€ftlinge starben. 1964 wurden diese Stollen als kerntechnisches Endlager Richard in Betrieb genommen; das Endlager soll noch bis 2070 weiter betrieben werden.

Den Zweiten Weltkrieg ĂŒberstand der GebĂ€udebestand der Stadt fast unbeschĂ€digt. Auf Grund der BeneĆĄ-Dekrete wurden die meisten deutschböhmischen Einwohner der Stadt 1945 und in den Folgejahren enteignet und vertrieben.

Die sozialistische Verwaltung setzte in der traditionell bĂŒrgerlichen Stadt auf kleinere und mittelgroße staatliche Betriebe, die auf den landwirtschaftlichen Charakter der Umgebung ausgerichtet waren. WĂ€hrend einerseits moderne Siedlungsblöcke am Stadtrand entstanden, bewahrte man andererseits den denkmalgeschĂŒtzten Stadtkern und renovierte dort auf vorbildliche Art und Weise zahlreiche GebĂ€ude.

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung bis 1945

| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1787 | 0 2830 | |
| 1830 | 0 3952 | in 571 HĂ€usern [ 9 ] |
| 1831 | 0 3988 | in 563 HÀusern (Altstadt und acht VorstÀdte, in der Altstadt 2010 Einwohner in 260 HÀusern) [ 10 ] |
| 1854 | 0 6068 | |
| 1857 | 0 7438 | am 31. Oktober [ 11 ] |
| 1880 | 10.854 | davon 9263 Deutsche und 1417 Tschechen |
| 1890 | 11.342 | davon 10.004 Deutsche |
| 1900 | 13.075 | davon 11.532 Deutsche und 1329 Tschechen |
| 1910 | 15.421 | davon 13.165 Deutsche und 2034 Tschechen |
| 1921 | 16.988 | davon 11.015 Deutsche und 5066 Tschechen |
| 1930 | 18.498 | davon 10.878 Deutsche, 6485 Tschechen und 143 Juden [ 12 ] |
| 1939 | 15.472 | davon 1603 Evangelische, 13.397 Katholiken, 84 sonstige Christen und 31 Juden [ 12 ] |

Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegscite-ref-13[13]

(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)

StÀdtepartnerschaften

‱ Litoměƙice pflegt seit 2001 partnerschaftliche Beziehungen zu Fulda (Deutschland), eine Patenschaft besteht schon seit 1961. In Fulda hat auch der Heimatkreisverband Leitmeritz als Organisation der Vertriebenen seinen Sitz.
‱ Es besteht eine Partnerschaft mit dem elbabwĂ€rts gelegenen Meißen (Deutschland)
‱ Calamba City (Philippinen)

SehenswĂŒrdigkeiten und Kultur

‱ Stadtplatz, leicht unregelmĂ€ĂŸige rechteckig, 1,8 Hektar (75–90 m × 180–195 m) groß. Dort stehen die architektonisch bedeutsamsten GebĂ€ude der Stadt.

‱ Altes Rathaus, im gotischen Stil erbaut. Auf einer SĂ€ule befindet sich eine seltene mythologische Darstellung, die Plastik eines wilden Mannes, irrtĂŒmlich als Roland-Figur gedeutet. Heute Heimatmuseum.
‱ Kelchhaus (ehemaliges Salzamt) mit Hussitenkelch auf dem Dach. Heute Sitz des Stadtrates (Rathaus)
‱ Stadtturm, Ă€ltestes Bauwerk der Stadt, mit der Stadtkirche Allerheiligen
‱ der Schwarze Adler und das Broggio-Haus

‱ St.-Stephans-Dom auf dem DomhĂŒgel, zĂ€hlt zu den herausragenden GebĂ€uden der Stadt. Im Dombezirk befindet sich der Bischofssitz der Diözese Leitmeritz, die sich etwa von Liberec im Osten bis KlĂĄĆĄterec nad Ohƙí im Westen erstreckt.
‱ Jesuitenkirche (Kunstgalerie), Dominikanerkirche, Kapuzinerkirche, Adalbertikirche und Wenzelskirche und eine evangelische Kirche
‱ Stadttheater, im 19. Jahrhundert gegrĂŒndet
‱ Synagoge, stand einst in der Laurenzigasse (siehe auch JĂŒdischer Friedhof (Litoměƙice))
‱ Gymnasium, vom böhmischen Architekten Josef Mocker projektiert
‱ Naturschutzgebiet BĂ­lĂ© strĂĄně

Siehe auch

:

Liste von Bauwerken in Litoměƙice

Wirtschaft

In Leitmeritz existierte von 1720 bis 2002 die BĂŒrgerliche Brauerei. Die Elbschlossbrauerei, gegrĂŒndet 1858, war schon 1939 aufgegeben und in ein GroßkĂŒhlhaus fĂŒr GemĂŒse umfunktioniert worden. In den 1890er Jahren entstand die Lederfabrik Plunder & Pollak in Eisendörfel.

Im Ortsteil Pƙedměstí hat das Bauunternehmen Chládek & Tintěra seinen Sitz.

Verkehr

Eisenbahn

‱ Bahnstrecke 072 Lysá nad Labem–Litoměƙice město–Ústí nad Labem západ (Bahnstrecke Kolín–Děčín)
‱ Bahnstrecke 087 Lovosice–Litoměƙice cihelna–Litoměƙice hornĂ­ nĂĄdraĆŸĂ­â€“ÄŒeskĂĄ LĂ­pa (ehemalige Nordböhmische Transversalbahn)

In diesem Zusammenhang gibt es auch eine BahnbrĂŒcke ĂŒber die Elbe.

Schiffsverkehr

Litoměƙice besitzt einen kleinen Passagierhafen, an dem die Elb-Kreuzfahrtschiffe anlegen.

ÖPNV

Seit Mai 2018 ist der ÖPNV in Litoměƙice fĂŒr alle Nutzer kostenfrei.cite-ref-14[14]

Persönlichkeiten

→

Hauptartikel

:

Liste von Persönlichkeiten der Stadt Litoměƙice

Literatur

‱ Martin Zeiller: Leutmeritz. In: MatthĂ€us Merian (Hrsg.): Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae (= Topographia Germaniae. Band 11). 1. Auflage. Matthaeus Merians Erben, Frankfurt am Main 1650, S. 43 (Volltext [Wikisource]).
‱ Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav PolĂ­vka (Hrsg.): Handbuch der historischen StĂ€tten. Band: Böhmen und MĂ€hren (= Kröners Taschenausgabe. Band 329). Kröner, Stuttgart 1998, ISBN 3-520-32901-8.
‱ Detlef Brandes: Der Weg zur Vertreibung 1938–1945. PlĂ€ne und Entscheidungen zum Transfer der Deutschen aus der Tschechoslowakei und aus Polen (= Collegium Carolinum [Hrsg.]: Veröffentlichungen des Collegium Carolinum. Band 94). Vorwort von Hans Lemberg. 2., ĂŒberarb. und erw. Auflage. Oldenbourg, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-486-56731-4.
‱ Julius Ernst Födisch: Leitmeritz. Ein historisch-topographisch-statistischer FĂŒhrer durch die Stadt und deren Umgebung. Blömer, Leitmeritz 1871 (books.google.lv).
‱ Julius Lippert: Geschichte der Stadt Leitmeritz. Prag 1871 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
‱ Wilhelm WeizsĂ€cker: Leitmeritz als Vorort des Magdeburger Rechts in Böhmen. In: Neues Archiv fĂŒr SĂ€chsische Geschichte. Band 60. Dresden 1939, S. 1–23 (digital.slub-dresden.de).

Weblinks

Commons

: Litoměƙice

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikivoyage: Litoměƙice

– ReisefĂŒhrer

‱ Offizielle Website der Stadt
‱ Digitalisate des Leitmeritzer Wochenblattes (Juli 1856 bis Dezember 1877) bei ANNO

Einzelnachweise

cite-note-11. Obec Litoměƙice: Územně identifikační registr ČR. uir.cz; abgerufen am 8. Oktober 2018.
cite-note-22. ČeskĂœ statistickĂœ Ășƙad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2023 (PDF; 602 kB)
cite-note-33. ↑ Litoměƙice. Adressen. In: mvcr.cz. 1. Oktober 2007, archiviert vom Original (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 7. Oktober 2007; abgerufen am 8. Oktober 2018 (tschechisch).
cite-note-44. ↑ Základní sídelní jednotky: Územně identifikační registr ČR. Základní sídelní jednotky. Obec Litoměƙice. In: uir.cz, abgerufen am 8. Oktober 2018.
cite-note-55. ↑ KatastrĂĄlnĂ­ ĂșzemĂ­. Obec Litoměƙice. In: uir.cz, abgerufen am 5. Oktober 2019 (Register der territorialen Aufteilung).
cite-note-meyers-66. ↑ Leitmeritz. In: Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage. Band 12: L–Lyra. Bibliographisches Institut, Leipzig / Wien 1908, S. 392 (Digitalisat. zeno.org).
cite-note-77. ↑ Jahresbericht des k. k. Ober-Gymnasiums zu Leitmeritz in Böhmen fĂŒr das Schuljahr 1876. Leitmeritz 1876, S. 29–32.
cite-note-88. ↑ XIV. Jahresbericht der deutschen Communal-Ober-Realschule zu Leitmeritz. Veröffentlicht am Schlusse des Schuljahres 1880. Leitmeritz 1880, S. 84–89.
cite-note-93. JahrbĂŒcher des böhmischen Museums fĂŒr Natur- und LĂ€nderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2. Prag 1831, S. 197, Ziffer 1 (Scan in der Google-Buchsuche)
cite-note-104. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis. J. G. Calve, Prag 1833, S. 9 (Scan) und S. 1–2 (Scan in der Google-Buchsuche).
cite-note-115. Statistische Übersichten ĂŒber die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, rechte Spalte (Scan in der Google-Buchsuche).
cite-note-mr-126. Michael Rademacher: Landkreis Leitmeritz. Online-Material zur Dissertation, OsnabrĂŒck 2006. In: eirenicon.com. Abgerufen am 1. Januar 1900
cite-note-1313. ↑ Database of Demographic Indicators for Selected Towns of the Czech Republic. Tab. 107. In: czso.cz. Abgerufen am 26. Oktober 2023.
cite-note-1414. ↑ Pavel KƙivohlavĂœ: Litoměƙice budou mĂ­t MHD zdarma, stejně jako sousednĂ­ Lovosice. In: idnes.cz. 2. MĂ€rz 2018, abgerufen am 10. MĂ€rz 2024 (tschechisch).